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Interview

Interview Sylvia Canel, MdB, Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, stv. Vorsitzende des AK Innovation, Gesellschaft und Medien und Manuel Kienbaum Experte für verkaufsaktive Websites

 

Sylvia Canel und Manuel Kienbaum

Canel: Herr Kienbaum, das Internet ist ein zunehmend wachsender Wirtschaftsfaktor in dem viele Arbeitsplätze geschaffen werden. Internetseiten werden immer funktionstüchtiger und gehören mittlerweile unverzichtbar zu einer Firmenrepräsentanz. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?


Kienbaum: Ja, das Internet wird immer mehr zum Wirtschaftsfaktor für Unternehmen und Gesellschaft. Und ein klares Ja – eine Website ist für jede Firma unverzichtbar! Während Internetseiten ursprünglich in das Netz gestellt wurden, damit Adresse, Bild und wenige Firmeninformationen bekannt werden, kam wenig später die Zeit, in der man die Internetseiten immer mehr zu Designobjekten gemacht hat. Das heißt, die Seiten waren oftmals von Animationen überlagert. Die Benutzerfreundlichkeit blieb dabei oft auf der Strecke. Viele neue Berufe sind durch den zunehmenden Internet-Boom entstanden. Heute werden Grafiken reduzierter und das Design schlichter angezeigt. Heute wird eine Website als Vertriebsmitarbeiter eines Unternehmens eingesetzt. Das heißt, die Website soll vor allem Kunden und Umsatz bringen.

Canel: Eigentlich sollte eine Website doch schon immer Umsatz bringen.

Kienbaum: Ja, und die Möglichkeiten sind vielfältig. Doch das Problem ist, dass viele Kunden feststellen, dass sie weder Umsatz noch Kunden mit ihrer Website generieren. Um dies zu vermeiden, ist man heute dazu übergegangen, eine Seite zu strukturieren. Das heißt, man verzichtet auf Designobjekte. Die Optik muss klar und deutlich sein. Auch die Farbwahl, welche Schrift auf welchem Hintergrund, spielt eine ganz entscheidende Rolle. Das Menü muss intuitiv sein. Das heißt, der Kunde darf vorher nicht nachdenken müssen und  sollte nach maximal drei Aktionen am Ziel sein. Wenn Kunden länger brauchen, klicken sie die Seite sehr häufig weg.

Canel: Das heißt ja mit anderen Worten, dass die Verpackung schlichter wird und der Inhalt interessanter. Wie sehen Sie denn die Entwicklung hin zum Web 2.0?

Kienbaum: Web 2.0 wird ja auch als Mitmach-Web bezeichnet. Das ist ein Part, der bei größeren Unternehmen sicher nicht zu unterschätzen ist und bei kleineren Unternehmen nicht immer genügend Erfolg bringt. Denn es ist aufwendig und zeitintensiv. Wichtig ist, dass ich meine Kunden heute tatsächlich über meine eigene Website generiere. Wer mich nicht kennt, der kann nicht bei mir kaufen und speziell für das Internet: Wer mich nicht findet, kann nicht bei mir kaufen.

Canel: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Kienbaum: Genau, ich gebe z.B. bei Google eine Suchanfrage ein. Google zeigt nun alle Seiten an, die Inhalte der Suchanfrage aufweisen. Wenn aber meine Website diesen gesuchten Inhalt nicht hergibt, dann werde ich dort nicht angezeigt. Das heißt, meine Website muss so konzipiert sein, dass sie mit Google „kommunizieren“ kann und Google die Inhalte meiner Website auslesen kann und dazu noch hoch bewertet. Nur dann habe ich eine Chance, bei Google weit oben angezeigt zu werden. Wenn dieser Punkt aber nicht gegeben ist, werde ich mit meiner Website keinen Erfolg haben.

Canel: Das heißt, dass Sie Konzepte zuspitzen, auf wenige Stichworte, die dann aber wiederum als Filterfunktion dienen, damit Inhalte gefunden werden können.

Kienbaum: Es nützen wenige Worte, die für Ihr Unternehmen wichtig sind, für die Tätigkeit, der Sie nachgehen oder ihren Produkten. Es müssen allerdings die richtigen Keywords verwendet werden. Die richtigen Keywords bestimmen aber meist nicht die Unternehmen, sondern die Kunden, welche im Internet suchen. Diese „Reizworte“ müssen im Internetauftritt enthalten sein. Das heißt nicht, dass Sie permanent Key- oder Schlagwörter wiederholen dürfen. Sie schreiben Ihre Texte ja für den Kunden und nicht nur für Suchmaschinen. Sie dürfen die Reizwörter dennoch nicht vergessen.

Canel: Was Sie ansprechen sind Keywords bzw. Suchmaschinenoptimierung und dass Suchmaschinenoptimierung ein Baustein ist. Suchmaschinenoptimierung alleine genügt sicher nicht, um einen erfolgreichen Webauftritt zu haben. Kann das denn eigentlich jeder oder benötigt man dafür einen Fachmann?

Kienbaum: Eine einfache Website erstellen kann im Prinzip jeder mit etwas technischem Verständnis. Aber mit der Programmierung einer Website und ein bisschen Design wird kein Unternehmen Erfolg im Internet haben. Denn was hinter einer Website wirklich steht, ist nicht nur eine Tätigkeit, sondern vor allem eine individuelle Strategie. Es muss dafür gesorgt werden, dass entsprechende Kunden, die Sie nie kannten, die Sie bisher mit Ihrem Außendienst nicht akquiriert haben oder nicht akquirieren konnten, über die Website bei Ihnen landen.

Canel: Wie sehen Sie denn die zukünftige Entwicklung des Wirtschaftsfaktors Internet? Werden wir denn Ihrer Meinung nach das Internet noch intensiver nutzen, wo wir doch jetzt schon unzählige Stunden damit verbringen?

Kienbaum: Die zukünftige Entwicklung wird weiterhin so sein, dass wir Steigerungen im Internet haben. Bei den Arbeitsplätzen, bei den Umsätzen und bei den Firmengründungen. Die Kostenseite im Internet, etc. wird immer günstiger und die Datenströme immer schneller. Während die Leute früher so schnell wie möglich das Internet wieder verlassen wollten, nachdem sie ihre Informationen gefunden haben, ist es heute so, dass sie aufgrund von Flatrates, etc. viel mehr Zeit im Internet verbringen. Das heißt, der Nutzer nimmt seine Recherche viel genauer. Egal, ob ich fünf Stunden oder zwei Minuten im Internet bin: Wichtig ist das Ergebnis, das der Nutzer hat, wenn er etwas sucht. Das Internet wird immer mehr zum Vertriebspartner. Denken Sie zum Beispiel einmal daran, wie viele Menschen heute eine Reise über das Internet buchen. Ich glaube aber auch, dass sehr viele Branchen und viele Firmen noch sehr weit zurück sind, was die Auslastung betrifft. Denn – wie gesagt: Es gibt viele Kunden die im Internet nach einem Produkt auf der Suche sind, mit einer bestimmten Firma deshalb nicht in Kontakt treten können, weil sie die Firma, die sie suchen, nicht finden. Wer nicht bei Google mindestens auf Seite 3 angezeigt wird, kann meiner Meinung nach seine Seite fast löschen, weil er schlichtweg nicht wahrgenommen wird.

Canel: Herr Kienbaum, ich danke Ihnen für das Gespräch. Dann gucken wir doch mal ganz optimistisch in die Zukunft.

Interview Sylvia Canel, MdB, Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, stv. Vorsitzende des AK Innovation, Gesellschaft und Medien und Manuel Kienbaum Experte für verkaufsaktive Websites

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